Eine kleine Weihnachtsgeschichte

25.12.2013 11:15  Von: Johanna Spielberg

In diesem Jahr konnten wir im Weihnachtsgeschäft tolle Geschichten sammeln, weil uns so viele Menschen im showroom besucht haben. Wir haben gelauscht, gestaunt, gelacht und richtig viel über Weihnachten gelernt. Uns wurden so viele Geschichten erzählt, die für jeden mit seinem wirklich eigenen Weihnachten zu tun hatten. Ein bisschen dürfen wir weitererzählen, und das wollen wir doch wirklich gerne tun, weil Weihnachten eben nicht nur etwas mit Plätzchen und Geschenken zu tun hat. Jedenfalls nicht nur.

Da sind auch noch andere wichtige Dinge, die man mit Weihnachten verbindet. Wir erfuhren vom obligatorischen Weihnachtsessen, von Eisenbahnen, von Gurken und Silberkugeln. Aber wir wurden auch Zeuge, wie ein perfektes Geschenk gefunden wurde – wie Menschen immer noch gefrustet und auch desillusioniert („Ich habe noch immer kein Weihnachtsgeschenk, aber was soll man denn jemandem schenken, der alles hat?“) immer noch auf der Suche waren und bei uns fündig wurden. Die beiden schönsten Geschichten darf ich Euch hier erzählen.

Die Gurke – und es muss gar nicht groß sein

„Was ist denn das bitte?“ stand eine Frau vor unserem Gurkenglas. Unsere Gemüseabteilung war vielleicht wirklich etwas überraschend, aber die Tradition der Weihnachtsgurke hat sich in den letzten Jahren ja durchaus auch in Deutschland herumgesprochen. Wir haben recherchiert und doch keine so wundervolle Geschichte gefunden, wie sie uns dann von eben dieser Frau erzählt wurde. Die Überlieferung in Deutschland besagt, die Gurke sei eine amerikanische Tradition und derjenige, der die versteckte Gurke finde, bekomme ein Extrageschenk. In Amerika glaubt man übrigens an eine echte deutsche Tradition. Wo auch immer sie herkommt, wir finden die Gurke großartig, weil wir sonst niemals bei yooyama in die Verlegenheit kämen, ein Gurkenglas zu haben.

Die Dame schnappte sich das Gurkenglas und kaufte direkt für ihren Bruder mehrere Gurken. Und während wir die Gurken einwickelten, erzählte sie, ihr kleiner Bruder habe als Kind Gurken auf fast absurde Art abgöttisch geliebt. Was anderen der Lolly, war ihm die Gurke. Die Liebe ging so weit, dass ihre Mutter immer mehrere echte Gewürzgurken gründlich abtupfte und im Baum versteckte! Diese Geschichte sagt nur eines, die Glasgurke war vielleicht irgendwann einmal noch eine echte Gurke und das Sondergeschenk? Sind Spreewaldgurken für Auswanderer in den USA vielleicht etwas ganz besonderes und nur als Sondergeschenk geeignet? Vielleicht gab es mal eine Zeit, in der es genau so war. Wer es weiß, darf es natürlich sofort sagen! icon_biggrin

Als ich der Dame die Tüte gab, sagte sie: „Ich hatte die Gurke total vergessen! Wahnsinn, wenn unsere Mutter das wüsste, ich glaube mein Bruder flippt aus! Das wird das schönste Geschenk in diesem Jahr!“ Und es wird ein bisschen so sein, als habe ihre Mutter den Baum geschmückt, was für eine schöne Vorstellung.

Bibendum findet eine neue Familie – endlich, nach so langer Zeit

Und das ist meine Lieblingsgeschichte! Eine ältere Dame kam in den Laden und schaute sich um. Sie erzählte, sie habe unseren Artikel in der Rheinischen Post gelesen, und dass man bei uns auch skurrile Dinge bekommen könne. Sie brauche etwas in diesem Jahr für ihren Mann. Sie hätten zwar seit langem einen Nicht-Schenkungspakt, aber er habe dann doch immer etwas, und in diesem Jahr brauche sie etwas ganz besonderes. Sie stöberte also und schaute sich viel an. Aber sie war nicht so richtig überzeugt von allem. Sie schaute immer mal wieder etwas an, aber es ist nun einmal so: Unser showroom hat richtig viel für Frauen, aber nicht ganz so viel für Männer. Da müssen wir also nachrüsten. icon_wink

Als ich schon fürchtete, ihr nicht mehr helfen zu können, schaute sie um eine kleine Ecke und rief: „Oh mein Gott, Sie haben ein Michelin Männchen?“ Ich lachte und meinte, ich könne ja nicht den ganzen Tag alleine im showroom bleiben. Sie erzählte, dass sie, als sie ihren Mann kennengelernt habe, häufig abends noch sehr lange mit ihm auf der Autobahn unterwegs gewesen sei. Und damit man wach bleibe, habe man immer die Michelin Männchen auf den LKW gezählt. Und jetzt sei ihr Mann pensioniert worden. Er habe sich einen kleinen Caravan gekauft, eigentlich wäre ein Hotel ja schöner. Aber er wolle jetzt mehr mit ihr reisen.

Als er das gute Stück nach Hause brachte, habe er zu ihr gesagt, jetzt bräuchte er nur noch ein Michelin Männchen. „Ich wusste ja nicht, dass Sie so etwas auch haben!“ Ich war wirklich erleichtert und sagte zu ihr, wir müssten nur die Geschichten wissen, dann könnten wir eigentlich wirklich viel besorgen. Eigentlich alles, weil wir selber so sehr Skurriliäten und Besonderheiten mögen!

Während ich Bibendum einwickelte, erzählte sie mir, wie schön diese Autofahrten damals waren, weil sie so lange miteinander sprechen konnten. Sich auch richtig kennenlernen konnten. Und irgendwann gab es immer weniger Michelin Männchen auf den LKW, ich erinnerte mich an meine Kindheit und die Michelin Männchen auf den LKW, die ich aus meinem Kindersitz immer sehr fasziniert angeschaut habe.

Als die Dame wieder ging, war die Ecke von Michel, unserem kleinen Bibendum, wirklich sehr kahl, leer und dunkel. Aber ich freue mich, dass er in eine Familie kommt, in der er wirklich eine Bedeutung hat und nicht nur einfach irgendwann auf dem Speicher landen wird.

Adieu, Michel … Frohe Weihnachten!


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