Getestet: Le Coude Fou im Pariser Marais

03.02.2017 11:00  Von: Johanna Spielberg

In Paris kann man gut essen, das weiß jeder! Wenn man aber richtig gut essen will, ist das Restaurant Le Coude Fou im Marais die richtige Adresse! Unprätentiös und richtig lecker!

Ich weiß nicht, wie es bei Euch ist, ich brauche keine weißen Tischdecken und kein Silberbesteck, aber ich brauche richtig leckeres Essen. Versteht mich nicht falsch, natürlich mag ich schöne Tischwäsche, edles Porzellan und klingende Gläser. Aber wenn ich mich entscheiden muss, was mir bei einem Restaurantbesuch das Wichtigste ist, dann ist es das köstliche Essen! Es kann gerne schrümmelig sein, der Tisch kann gerne zu klein sein und wackelig – aber das, was auf den Tisch kommt, muss gut sein! Und wenn es nur normal ist, brauche ich auch keine Tischwäsche, damit ich mich wohl fühle. Ich esse gerne, bin das krasse Gegenteil eines Picky Eaters und teste mutig alles, was sich so ergibt. Und das habe ich wohl von meinen Eltern.

Meine Kindheit und das Essen

Auch als Kind war ich schon eher unkompliziert, ich habe einfach alles gegessen, was auf den Tisch kam, und man konnte mit mir viele Restaurants ausprobieren. Und das haben wir dann auch getan, und da war dieses kleine Bistro in Paris. Es war schrümmlig, mit einem Tick Schmuddeligkeit. Aber in meiner Familie störte sich niemand daran! Denn das Essen war gut, und so war ich in meiner Kindheit nicht nur ein Mal in diesem kleinen Bistro. Nicht, dass wir ständig in Paris waren, aber wir haben ganz im Westen in Deutschland gelebt, und Paris war nicht wirklich weit entfernt. Und so erinnere ich mich an einen viel zu dunklen Raum mit einer wahnsinnig hohen Theke und einem dicken Mann in Latzhose, der dahinter die Getränke vorbereitete. Im Getränkeregal ganz oben ein Bild von eben diesem Mann mit eben dieser Latzhose Arm in Arm mit Colouche, dem personifizierten Clown unter den französischen Schauspielern. Ich habe ihn geliebt, er war der verrückte Sohn von Charles Duchemin, einem Verleger des wichtigsten französischen Restaurantführers. Absoluter Lieblingsfilm mit Louis de Funès und eben Colouche. In dem Film geht es auch nur ums Essen. Im Großen und Ganzen. Toll! Und dann war ich kein Kind mehr und fuhr irgendwie nicht mehr nach Paris. Bis zu diesem Januar zur Maison et Objet – das ist die Mutter aller großen Interiormessen!

Und im Restaurant Le Coude Fou schmeckt es noch immer köstlich

Wir bekamen einen kleinen Tisch, und der war wie in meiner Kindheit. Einfach und aus den Hölzern von Weinkisten zusammengesetzt. Die Stühle sind die klassischen Kaffeehausstühle von TON, und das Geschirr ist von Serax. Man fühlt sich also gleich wirklich wie zu Hause. Aber was soll man nun bestellen? Unsere Wahl fällt auf einen Salat mit geräucherter Entenbrust und Foie Gras – sicher ist das ganze ethisch verwerflich, aber in Paris steht sie wirklich auf jeder Speisekarte. Sie gehört irgendwie dazu, und man kann sich dem ganzen nicht wirklich entziehen. Und auf diesem Rucolasalat mit einem sehr leichten Haselnussöl ist sie auch noch köstlich!

Die Hauptgänge unfranzösisch französisch

Als Hauptgänge gab es für uns einen Burger und Ossobuco auf Risotto. In der Hauptstadt Frankreichs! In einem Bistro! Uns war schon klar, dass es ein Sakrileg war – aber wir hatten so große Lust darauf. Und das Ossobuco war die Spezialität des Tages, also es war so ein bisschen wie mit der Foie Gras, wir mussten es tun! Und es stellte sich als die beste Entscheidung des Tages heraus – na gut, sicherlich wären die anderen Gerichte genauso gut gewesen. Aber es war köstlich. Im Gegensatz zu diversen anderen Malen, bei denen ich Ossobuco bestellt habe, hatte ich mehr oder weniger verkochte Gerichte. Lecker, aber Zähne hätte ich nicht benötigt. Das war hier ganz anders. Das Fleisch war herrlich zart und doch hatte es noch eine Konsistenz, das wunderbare Gemüse war Brunoise geschnitten – also in wundervoll gleiche kleine Würfelchen. Da war wohl ein Franzose am Werk. Und genauso verhielt es sich mit dem Risotto, es zog Fäden, schmeckte herrlich nach Käse und einer Idee Sahne. Also tatsächlich überhaupt kein Risotto im klassisch italienischen Stil, aber ganz und gar köstlich. Der Burger hatte allerdings schon viel mehr etwas mit einem Burger im eigentlichen Sinn zu tun. Jedenfalls äußerlich. Der Käse war ein wunderbarer herzhafter Käse, die Sauce war mit einem französischen Senf abgeschmeckt, und die Kartoffeln waren wirklich Miniatur, innen wunderbar gegart und in Butter geschwenkt. Aber das wichtigste an einem Burger ist das Fleisch, und hier habe ich selten in meinem Leben einen so guten Burger gegessen (ich durfte selbstverständlich probieren): Handcut, Medium und wunderbar würzig!

Vom Le Coude Fou direkt zu Mariage Frères

Einen Nachtisch haben wir selbstverständlich auch gegessen, aber nicht im Le Coude Fou. Denn wenn man die Straße weiter herunter läuft, kommt man zu Mariage Frères – und man muss gar kein ausgesprochener Teetrinker sein, um sich dort wohl zu fühlen. Die Düfte der Teesorten strömen durch den Raum, man braucht Stunden, um eine Entscheidung für eine der köstlichen Teesorten gefällt zu haben, und man sollte dann einen der mit Tee aromatisierten Nachtische wählen. Die perfekte Abrundung nach einem Mittagessen im Le Coude Fou!

Nous y reviendrons!


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