Getestet: Hotel Henri in Berlin – zu Gast bei Freunden

30.10.2017 12:00  Von: Johanna Spielberg

Wir lieben Berlin und jetzt endlich auch das Hotel. Das Boutiquehotel Henri im Herzen Berlins ist ein Kleinod mitten in der pulsierenden Großstadt. Und es ist so ganz anders, als wir ein Hotel erwartet haben – so liebevoll, familiär und detailverliebt, man kann sich nur wohl fühlen.

Zu Gast bei Freunden – nur ein Claim?

Was bedeutet es eigentlich, zu Gast bei Freunden zu sein? Ich habe noch nie wirklich darüber nachgedacht, aber im Hotel Henri in Berlin, da heisst es, lebt man eben diese Gastfreundschaft. Hieß es, mit diesem Gedanken kam ich also in Berlin an. In einer Seitenstraße vom Ku'damm – ich liebe diese Gegend ohnehin. Und finde mich vor einem Hotel, das von außen schon so ganz anders wirkt. Ein altes top saniertes Gebäude aus der Gründerzeit mit einem schicken leuchtenden Logo über der Tür, man erklimmt ein paar Stufen und geht um eine Ecke. Hier findet man den Concierge, aber er ist so anders. Seine Ansprache ist so anders: Nicht hoch gestochen wie im Luxushotel Adlon – aber auch nicht so burschikos wie in einer Pension. Irgendwie verbindlich und freundlich, ohne dabei platte Freundlichkeiten auszutauschen. Ich selber bin so aufgeregt, weil ich schon so viel über das Hotel Henri gelesen haben, dass mir gar nicht auffällt, wie liebevoll schon dieser Raum gestaltet ist. Das Fayencen Zimmer ist über und über mit blau bemalter Keramik dekoriert. Und Ihr wisst: Ich liebe blau-weiße Keramik. Ich hätte mich also jetzt schon in dieses Hotel verlieben können, wenn ich genauer hingeschaut hätte. Mein Freund erledigt das Büroratische – was in diesem Hotel übrigens auch sehr viel schneller geht als in den ganzen Kettenbunkern. Keine Punktekarte, kein Frequent Traveller Status, dafür Popcorn als Betthupferl!

Zu Gast bei Freunden – mehr als nur ein Claim!

Wir werden zu einem Aufzug im Hinterzimmer geführt. Zwar gibt es einen herrlichen alten Aufzug im Eingang, der diesem auch einen ganz wunderbaren Charme verleiht, aber wir wollen ja schon zu Beginn möglichst viel sehen. Und eben dieser Weg ist etwas ganz herrliches. Man geht durch eine Art Hotelhalle, obwohl es eine Beleidigung für diese wunderbaren Räume ist, sie als Hotelhalle zu bezeichnen. Die Räume sind kleiner, dafür aber viel romantischer. Uns führt der Weg vorbei an wunderbaren alten Thonetstühlen – für die ich ohnehin immer schwärme. Daneben stehen kleine Sessel mit tieferen Tischen, der ganze Raum ist verspiegelt und hat ein herrliches Deckengemälde, dessen schöne Absurdität mir übrigens auch erst am nächsten Tag auffallen wird. Wir laufen an einer kleinen Küche vorbei über einen herrlichen alten Dielenboden ins Hinterhaus und fahren mit dem Aufzug hoch in unsere Etage. Die Wände sind dunkel gestrichen, die Türen weiß lackiert und überall hängen alte Bilder an den Wänden. Man möchte direkt einziehen, also wirklich – nicht nur für einen Kurztrip nach Berlin. Wir öffnen eine alte knarzende Tür und stehen in einem wunderschönen Zimmer. Es ist kein Hotelzimmer im klassischen Sinn mit kleinem Flur, von dem ein Bad abgeht und in dem eine Koffernische ist. Es ist im allerbesten Sinn ein Gästezimmer bei Freunden! Herrlich weiße Laken in wunderbaren Möbeln – nichts von der Stange, sondern wirklich wunderbare Einzelstücke!

Mit Freunden auf ein Schnittchen und Getränke am Plattenspieler

Die Hotelhalle, von der ich gerade schon geschrieben habe, ist am Abend ein echter Treffpunkt. Um genau zu sein, handelt es sich um das alte Restaurant des Hotels, aber es gibt keine Vollgastronomie in diesem Hotel mehr. Es gibt in diesen Räumen jetzt ein wunderbares Frühstück, das man sich sozusagen selber in der Küche holt und abends gibt es dort ein Abendbrot. Eine echte Stulle, die man nun mit den anderen Hotelgästen gemeinsam isst, die Getränke nimmt man sich selber aus einem Kühlschrank, und so sitzt man nun wie in alter Zeit um einen Plattenspieler herum und genießt den Abend und die Gespräche mit den wirklich internationalen Gästen. An unserem Abend sind es Holländer und Australier. In Australien hat sich das großartige Henri nämlich schon herum gesprochen. Man hört überhaupt viele Sprachen – und weil die Leute tatsächlich miteinander sprechen, hört man sie auch wirklich! Das ist wirklich ein spannendes Flair inmitten eines Stückchens Berlin, das eigentlich schon der Vergangenheit angehört. Jedenfalls für den Touristen, der am Potsdamer Platz die glitzernden Häuser bestaunt oder die leuchtenden Schaufenster auf dem Ku'damm. Man sitzt in einem wuseligen Treiben von – und jetzt nutze ich das Wort zum ersten Mal in meinem Leben – Individualtouristen, die eben nicht in einem Hotel schlafen wollen, bei dem sie morgens nicht so ganz sicher sind, wo es sich befindet. Dit is Berlin, und das ist auch gut so.

Das Hotel Henri ist ein Boutiquehotel der ganz besonderen Art – und es ist ein weiterer Grund, nach Berlin zu reisen

Jetzt müsste ich einige Worte über die wirklichen Facillities verlieren, die dieses Hotel hat. Mache ich, aber ganz schnell: 72 Zimmer, 9 Appartments (yeahhh, wenn man mal länger in Berlin ist!!!), es wurde 2016 gegründet, es gibt ein Schwesterhotel in Hamburg und bald auch in Düsseldorf (noch einmal yeahhh!), die Gäste kommen aus aller Herren Länder und schon nach einem Jahr gibt es Stammgäste! Das Frühstück gibt es in zwei Kategorien, und die Abendstulle ist im Zimmerpreis inbegriffen. Ein kleiner Fitnessbereich wird noch eingerichtet, und es gibt Konferenzräume.

So, und jetzt wieder zu den Herrlichkeiten dieses Hotels. Überall stehen kleine Besonderheiten herum, hängen wunderbare Bilder an den Wänden. Doch wer denkt sich das alles aus? Der großartige Innenarchitekt Marc Ludolf v. Schmarsow steckt dahinter. Und das verwundert nicht. Denn er ist bekannt für seine großartigen Konzepte, und im Henri scheint er sich vollends ausgetobt zu haben. Diese Mischung alter Gegenstände lässt den Gast wirklich in die Belle Epoque gleiten. Und dabei ist eben nicht alles aus einem Guss, denn auch ein Hotel Henri hat ein bestimmtes Budget. Das bedeutet, dass manche Möbel aus dem Vorgängerhotel übernommen wurden, mit ein bisschen Geschick und vor allem Farbe passen sie sich nun ins das Gesamtkonzept ein. Und geben dem Gast noch viel mehr das Gefühl, wirklich zu Gast bei Freuden zu sein. Es gibt Themenzimmer, die die Belle Epoque nun auch mit einem Augenzwinkern betrachten – das Anthroposophenzimmer etwa oder das Orientzimmer. Und das Bogota Zimmer. Der frühere Besitzer hatte noch Möbel aus dem alten Hotel Bogota in der Nachbarschaft, und die sind jetzt im Henri. Daneben gibt es noch ein Minimuseum, eine Gedenkstätte für ein Hotel, in dem der großartige Helmut Newton lange Zeit gelebt hat. Interessante Berichte über das Bogota sieht man hier, eine alte Telefonzelle (wunderbar!!!) und drei Schachteln After Eight. Da ich skurrile Geschichten liebe, hatte ich das Gefühl, dass sich hinter diesen drei Schachteln etwas verbirgt. Denn sie sind mit Seife gefüllt. Ein Gast des Bogota hat sie jahrelang mitgenommen – das kennen wir doch alle. Ich habe auch noch alte Seifenstücke als Erinnerung an wunderbare Hotels. Als das Bogota schließen musste, schickte der langjährige Stammgast nun diese drei Schachteln an den Eigner zurück, er habe sie immer mitgehen lassen, aber nie benutzt. Was für eine wunderbare Geschichte, dass sich ein Mensch so sehr mit einem Hotel identifiziert. Und ich habe das dumpfe Gefühl, dass es mit dem Henri ein neues Hotel gibt, in das wir immer wieder reisen wollen. Mit dem die Gäste etwas besonderes verbinden! 

Das passiert durch das Interieur, das herrliche Gebäude und vor allem die Menschen, die es mit Leben füllen. Denn eines merkt man vom ersten Augenblick an: Jeder arbeitet gerne dort!


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