Endlich wieder Plätzchenzeit!

27.09.2018 11:00  Von: yooyama

Nach einem grandiosen Sommer wird es langsam kühler, die perfekte Zeit für Kekse, aber noch nicht für Zimtsterne – wie wäre es mit Matcha Shortbread? Knusprig muss es sein und vielleicht nicht so butterig, schließlich liegt die Weihnachtszeit noch vor uns, und ich würde in diesem Jahr die Strandfigur vielleicht wenigstens noch in den Gänsebraten-November retten. 

Herrlicher Grüner Tee als knuspriges Plätzchen

Ich mag den Geschmack von grünem Tee – ich weiß aber, dass es auch für mich ein langer und steiniger Weg war. Der erste angewiderte Schluck und die Reaktion meiner Mutter, die zunächste sagte "Grünen Tee zu mögen, muss man lernen!" – bringt total viel bei einem Teenager, und die dann das ganze krönte mit den Worten "Er ist wirklich gesund!". Es ist kaum möglich, eine größere Antiwerbekampange zu starten als mit diesen beiden Sätzen. Ich habe grünen Tee also gehasst, und auch heute bin ich eher der Earl-Grey-Darjeeling-mit-Milch-Typ. Und ich habe schon in Japan gelebt, als ich mich an diesen verrückt bitteren Tee gewöhnt hatte. Bis auf ... wie soll ich es sagen ... Matcha mit Milch! Herrlich!!! Wahrscheinlich liegt es daran, dass Matcha mit Milch nämlich plötzlich nicht wirklich gesund ist, schließlich ist Milch drin und Zucker. Aber es ist wundervoll! Genau aus diesem Grund schwärme ich für Matchaeiscreme und Matcha Melon Pan – so eine Art Milchbrötchen mit Zuckerkruste. So lecker.

Matcha Matcha Matcha ... wann geht es endlich um den Keks?

Wenn man also Matcha vor allem in einer süßen Variante liebt, dann natürlich auch als Plätzchen. Aber irgendwie sind die kauffähgen Matchaplätzchen häufig sehr cakey – also weich und fluffig. Irgendwie wollte ich aber etwas knuspriges. Jetzt haben wir in Düsseldorf das Glück, gleich mehrere japanische Bäckeren und Konditoren zu haben - deren Plätzchen sind herrlich und deutlich knuspriger als die Convenient Variante aus bunten japanischen Packungen. Aber es ist immer noch nicht knsuprig genug. Unsere Lieblingskonditorei Pure Freude, die nicht nur um die Ecke ist, sondern vor allem auch Grund dafür ist, warum ich natürlich keine moderne, sondern eher eine klassisch-barocke Strandfigur habe, macht ein Sablé, dessen Konsistenz perfekt ist. Nur ist das in Vanille oder Schokolade. Herrlich, aber eben nicht Matcha. Und ich wollte eine Spur weniger Butter im Plätzchen haben. Also habe ich die Küche ins Chaos verwandelt: der perfekte Zustand der yooyama Versuchsküche!

Shortbread – oder wie man den gleichen Namen für unzählige Plätzchen findet

Mein Allrounder und auch schon der Allrounder meiner Mutter ist das Shortbread. Es ist nicht nur ein Plätzchen, es scheint eine ganze Gattung von Plätzchen zu sein, und auch wenn man sich mal durch den auch in deutschen Supermärkten verfügbaren Klassiker von Walkers arbeitet, merkt man, dass es so viele Sorten gibt. Nur mit Matcha gibt es keins, aber das muss doch irgendwie klappen! Shortbread ist also wirklich mehr ein Gattungsbegriff, also habe ich mich durch unzählige Rezepte gearbeitet – die Grundzutaten sind auch trivial: Butter, Zucker und Mehl – und das in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen. Ich habe mich also durch die Rezepte aus Balomoral, Dorset und Ayrshire gearbeitet. Manche hatten die Konsitenz von Heidesand, dann eine Spur Cakey, und eines war so butterig in Verbindung mit Sahne, dass die Finger trieften. Alles ist herrlich, nur irgendwie nicht das richtige für mein Experiment ... und dann stolperte ich über ein Shortbread aus einem sehr alten Kochbuch. Florence B. Jack – vielleicht vergleichbar mit Henriette Davidis in Deutschland (wir kommen übrigens aus dem gleichen Nest irgendwo im West am Waldrand ... wirklich wahr!), der Frau die eigentlich das erste Kochbuch für Frauen in deutscher Sprache verfasst hat  – wobei es wirklich um Haushaltsführung geht. So war auch Florence B. Jack die Kochbuchautoron, die aus englischen Frauen Anfang um die vorletzte Jahrhundertwende passable Hausfrauen machen – mit ihrem Standardwerk Cookery for every Household und genau da wurde ich fündig. Es ist ein Rezept, in dem Reismehl und Weizen gemischt werden. Verrückt! Aber vielleicht wird das etwas.

Das Rezept für Shortbread von Florence B. Jack – vom Urzustand zum ultimativen Matcha Keks

125 g Mehl
60 g Reismehl
125 g  Butter
100 g Zucker
1 EL Matcha
5 EL Wasser
  Zucker zum Auswalzen

Kühlzeit
45 - 60 Min


Kühlen der Plätzchen
Backzeit
20 - 25 Min

160° C Umluft

Der erste Versuch war das klassische Rezept. Lecker, wirklich lecker. Und knsuprig! Und gar nicht so süß ... also irgendwie bringt das Reismehl eine Knusprigkeit, die toll ist. Dazu kommt ein herrliches Vanillearoma. Und das Shortbread verliert seine Heidesandigkeit, die ihm manchmal so eigen sein kann. Und die ich manchmal liebe und manchmal hasse ... also dieses Shortbread könnte mein neues Lieblingsshortbread werden. Nur, wir kommt jetzt der Matcha da rein?

Den Matcha pulverig in die Mischung zu geben ist schon das erste Problem, der Teig verbindet sich nicht mehr – mehr Butter ist für mich aber keine Option, ich will es ja NICHT so butterig haben, denn Butter hat zwar einen herrlichen Eigengeschmack, aber der fällt beim Matcha ja nicht mehr auf, die Kalorien kann man also getrost weglassen. Ich habe den Teig also mit Wasser gestreckt, das Grün verteilt sich allerdings erst nach mehreren Extrafahrten in der Kitchen Aid. Geht nicht. Also habe ich mich entschlossen, den Matcha vorher mit Wasser anzurühren und dann in den Teig zu geben. Und das gibt ein perfektes Grün. Nur, der Teig ist fast kletschig, erinnert an die Konsistenz von ganz feinem kinetischem Sand ... in dem Augenblick war ich mir sehr sicher, auf dem Holzweg zu sein. Außerdem ist das Shortbread nicht so süß, und genau das war das nächste Problem. Matcha ist bitter, und die Plätzchen haben mich eher an verbackenen Chiccoree aus Omas Garten (nicht meine echte Oma, eine ältere Dame in der Nähe, die einen wundervollen Gemüsegarten hatte) erinnert. 

Mist ... 

Ich wollte mich nicht geschlagen geben, also habe ich nach und nach Zucker zugegeben ... am Ende war es einfach 2/3 mehr als im Rezept, ob das gesundheitlich jetzt wirklich besser ist als ein fettreicheres Plätzchen zu backen, weiß ich nicht. Aber dann ist mir aufgefallen, dass in diesem Shortbread Rezept nicht nur mit Abstand der geringste Butteranteil war, sondern auch am wenigstens Zucker. Ich denke also, dass es okay ist. Nur die Konsistenz hat mir nicht gefallen, ich habe unsere Arbeitsplatte schon in einer grünen Katastrophe gesehen. Mit Mehl ausrollen, klappt nicht – alles wird grün. Also habe ich auf Zucker ausgerollt, und ich sage Euch, kein Grün in der gesamten Küche mehr zu sehen. Perfekt!

Die Plätzchen sollte man dann aber noch einmal kühlen, ich habe das erste Blech warm gebacken, die Oberfläche war nicht so schön. Aber ich kühle die Plätzchen immer erst nach dem Ausstechen, es erleichtert alles. Also in unserem Kühlschrank finden mehrere Backbleche spielend Platz, ein Einbaukühlschrank wäre für mich undenkbar. 

Das Ergebnis – irgendwie ein Matcha Latte als Knusperkeks

Herrlich ... die Plätzchen backen vergleichsweise lange, wobei ich sie auch auf niedriger Temperatur backe, damit sie nicht zu schnell bräunen. Sie werden einfach umwerfend, richtig warm aus dem Ofen sind sie noch ein bisschen weich, aber beim Abkühlen werden sie herrlich knsuprig. Ich steche übrigens meine Plätzchen immer noch einmal warm aus, also ich säubere die Kanten. Das mag komisch klingen, aber ich mag kreisrunde Plätzchen, die man perfekt aufeinander stapeln kann. Ich darf auch einen Knall haben, oder?

Das Fazit zum Keks

Wenn ihr Matcha mögt, auch gern in einer süßen Variante und knusprige Plätzchen für Euch perfekt sind, dann ist das Euer Plätzchen!


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